Ob dieser Post im Endeffekt lustig wird, wird sich glaube ich erst am Ende herausstellen. Heute hab ich meine letzte Prüfung geschrieben, doch damit ist die Prüfungszeit leider noch nicht ganz vorbei. Ich muss noch eine 8-10 seitige Hausarbeit bis Samstag schreiben, was für ein Spaß. Gestern Abend habe ich, um mich ein wenig von den Prüfungen abzulenken, mal meine Artikel, die ich auf diesem Blog verfasst habe, gelesen. Dabei sind mir natürlich einige Dinge aufgefallen. Zunächst habe ich mit jedem Semester weniger geschrieben. Das lag vermutlich einfach an der mangelnden Zeit. Vielleicht wusste ich aber auch einfach nicht worüber ich schreiben soll. Manchmal ist das nicht so einfach wie es aussieht.
Ich verbringe in den letzten Wochen sehr viel Zeit mit einer guten Freundin. Wir kochen gemeinsam ( also ich koche und sie hilft
), wir essen, schauen uns einen Film oder ein paar Folgen einer unserer Lieblingsserien an, trinken Tee und reden. Es ist toll, es ist entspannend und es ist schon sogar zu einem kleinem Ritual geworden, dass mir während der Semesterferien definitiv fehlen wird. Wir reden natürlich viel über das Studium, das Leben und die Leute hier. Was wir erlebt haben und was wir noch erleben wollen.
Am Ende der Prüfungszeit gibt es eigentlich unter allen Studenten ein ähnliches Thema “Wann ist es endlich vorbei??”. Ich hab immer gedacht, dass das Studium die Zeit in dem Leben eines Menschen ist, um sich selbst zu finden. Eine Zeit, in der man verschiedene Dinge ausprobiert, lernt und die Möglichkeit bekommt Seiten an einem selbst kennenzulernen, von denen man nicht wusste, dass sie da sind. Auf jeden Fall sollte es eine Zeit sein, aus der man etwas mitnimmt.
Was ich also aus diesem Studium mitnehme? Schwer zu sagen. Es wird langsam wirklich ein wenig frustrierend, weil man doch als Student zum größten Teil das Gefühl hat, dass man am Ende des Studiums so gut wie genauso wenig weiß wie am Anfang. Steuern, Buchführung, KLR,…das mögen alles Fächer sein, die wichtig sind, die uns in der Zukunft weiter bringen, aber wie sollen wir aus ihnen was mitnehmen, wenn uns das Wissen innerhalb von eigentlich nur 6 Monaten, teilweise nur 3 Monaten, reingeprügelt wird, und dann in einer Klausur abgefragt wird und danach eigentlich nicht mehr benötigt wird. Ich weiß, ich weiß, wenn ich in Richtung Management gehe, dann brauche ich das Grundwissen darüber, aber die Frage tut sich doch auf, was im Endeffekt nach 3,5 Jahren Studium tatsächlich hängen bleibt. Vielleicht liegt es am Bachelor System, vielleicht liegt es an dem Studiengang, aber unser Wissen wurde so stark komprimiert, damit wir auch ja genug Credits haben um ins Ausland zu gehen, dass man sich fragt, wo bleibt das Leben. Ich habe mittlerweile den Eindruck, ich hätte aus den letzten 3 Jahren der Schule mehr mitgenommen habe als ich hier jemals mitnehmen werde. Vielleicht hat auch jeder Student mal so eine Tiefphase, in der man alles hinschmeißen will, aber so optimistisch wie ich am Anfang des Studiums und in den ersten Blogeinträgen war, bin und klinge ich glaube ich schon ziemlich lange nicht mehr.
Ich hab in einem der letzten Post geschrieben “ich mag die Ungewissheit”. Hmm, ja ich mag es keine genaue Richtlinie in meinem Leben zu haben, aber so ein wenn auch weit entferntes Ziel wäre eigentlich echt mal nötig. Selbst wenn es nur darum geht, die Motivation von irgendwo her zu bekommen. Mein Motivationszettel mit der Abschlussnote meines Bruders erfüllt diesen Zweck nämlich auch schon länger nicht mehr. Nicht das jetzt der falsche Eindruck entsteht, ich werde dieses Studium hier beenden. Ich bin kein Typ, der auf halber Strecke aufgibt. Meine Motivation liegt zur Zeit in meinem Auslandsaufenthalt, von dem mich nur noch ein Semester trennt.
Dabei muss ich sagen, es gibt eine Sache, die ich so was von mitnehmen werde und das sind Freunde. Menschen, die mich auf diesem Weg begleiten, die ähnliche aber auch andere Gedanken haben. Von dem, was ich bei anderen Freunden in anderen Städten mitbekommen habe, ist es doch schwer mit Kommilitonen in Kontakt zu treten. An einer Uni, in der man eigentlich nur eine laufende Matrikelnummer ist, wer kennt einen da schon? Klar, ist die Dichte von Studenten in Wernigerode auch oft unerträglich. Eine Umgebung, in der egal was man tut, alle es mitbekommen. In der Geschichten, innerhalb von einigen Stunden komplett verfälscht über den Campus wandern. Aber man kennt sich, man lächelt sich zu, man hat sich bestimmt schon mal unterhalten. Es fällt auf, wenn man mal nicht da ist. Das gibt einem einzelnen doch schon mal das Gefühl von Bedeutung zu sein. Bedeutend für die Freunde, die man auf dem Weg gefunden hat.
Naja, was soll ich hier groß philosophieren, das Leben geht weiter. Bald geht es für mich nach Hause und in einen wohlverdienten entspannten Aufenthalt mit meiner Familie
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Irgendwie war dieser Post jetzt nicht besonders lustig, aber das wusste ich eigentlich schon vorher, denn was das Studium angeht, ist mir gerade einfach nicht wirklich nach Lachen zu Mute.