Ich laufe heute Nacht durch die Straßen von Wernigerode. Alles ist still und du hörst nichts, außer dem fernen Rauschen des Flusses, dessen Namen ich nicht kenne. Ich habe meinen Berlin-Gang mobilisiert. Nach einem wunderschönen Abend laufe ich allein nach Hause. Festen Schrittes beobachte ich meinen Schatten, lausche auf Geräusche im Hintergrund und blicke mich ein paar mal um. Nichts. Diese Stadt schläft. Es ist 23.00 Uhr und niemand ist auf der Straße. Ich komme gerade noch rechtzeitig zum Bus, eine weitere Person belegt einen Platz. Eine Kommillitonin, was für ein Zufall. Niemand auf den Straßen, gerade mal 5 andere Autos fahren an uns vorbei. Vielleicht liegt es daran, dass Montag ist. Normalerweise, würde ich auch im Bett liegen und schlafen.
Mittlerweile ist Halbzeit was die Prüfungszeit betrifft. Noch zwei Wochen, dann ist das Semester für mich gegessen. Vorbei. Wie sehr ich diesen Moment herbeisehne. Ich kann gerade nicht mehr, dabei ist diese Woche meine schlimmste Prüfungswoche. Heute konnte ich nicht lernen, ich musste entspannen, bei einem wunderbaren Gespräch, in wunderbarer Gesellschaft, mit wunderbarem Wein. Vieles liegt mir zur Zeit schwer auf dem Herzen. Vieles lässt mich gerade nur nach Hause fahren wollen. Manche Dinge sind halt einfach, nie einfach. Noch 3 Prüfungen und 2 Hausarbeiten und dann ist das Semester erstmal geschafft. Danach geht es nach Hause. Das richtige Nach-Hause. Wernigerode hat diese Funktion eine Zeit lang erfüllt, aber jetzt nicht mehr. Noch ein paar Monate und meine Zeit in Wernigerode ist vorbei. Dann startet das Abenteuer Auslandsjahr, man darf gespannt sein. Ich will gerade nur weg, wohin ist eigentlich egal. Nur weg. Selbst wenn es nur wieder nach Berlin ist. ich liebe berlin.